Brutus der Bruthahn
Was ich nicht bin, kann ich immer noch werden!

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 ZWEI LANGE, GRAUE BÄRTE TRAGENDE TEXTBEISPIELE 

 Hühnersuppe und Naz...sch..ß 

 MONTAG, 24. JANUAR 2011, VATERS GEBURTSTAG 

Es gab eine Hühnersuppe mit Nudeln. Fettaugen schwammen einen Reigen auf der Oberfläche der viel zu heißen Brühe. Mein Vater, der sich immer darüber beklagte, nach dem Essen so aufgebläht zu sein, schlürfte schon gierig jeden Löffel mit so viel Luft in seinen Schlund, dass es nicht verwunderlich war, dass er im Anschluss an das Mittagessen zum obligatorischen Samarin® griff. 

Bei jedem „Schlürf" spitzte er die Unterlippe, zog die Suppe durch die Zähne in sein Maul, wie andere die „Line” durch den Hundert-Euro-Schein in die Nase. Da Vater nach jedem Essen spätestens eine halbe Stunde darauf im Wohnzimmer auf der Couch liegend einschlief, konnte man vermuten, dass die Nudelsuppe und nicht nur die Nudelsuppe irgendeinen beruhigenden Stoff enthielt.

Die Line putscht auf, die Suppe stellt ruhig.

Die Suppe war eine der Erinnerungen meines Vaters an sein geliebtes Wien, sein Niederösterreich, sein rotes Wien und rotes Niederösterreich, das er hier im schneckenlochdunkeln, schwarzen Vorarlberg, das er immer mehr hasst, von Tag zu Tag immer mehr. Die schwarze rußige Tageszeitung hat er abbestellt, weil er im schwarz-blauen Regierungsgewimmel und Pensionshickhack nicht mehr das Geld dafür hat; es steht sowieso das in der Zeitung, was er gestern im Willkommen Österreich zum ersten Mal, im V-heute zum zweiten Mal und in der ZIB ein drittes Mal gesehen hat. Seit neuestem hätte er die Chance noch häufiger eine Wiederholung der Nachrichten zu sehen. ZIB-flash macht‘s möglich. Aber da schläft er schon und schnarcht wie immer.

Vor dem Teller lag heute ausnahmsweise die Tageszeitung. Vater hielt sie mit der linken. Ab und zu gönnt er sich eine Ausgabe, auch die Gratisausgabe. Er stößt sich an einem Artikel über Ausländerfeindlichkeit, aber nicht im positiven Sinne für die Ausländer sondern für die feindlich gesinnten Ausländer-Hasser. 

„Die Nazis kommen sowieso wieder! Sie sind schon da, aber sie werden noch mehr werden!" 

„In Ungarn sind sie schon wieder da", erwiderte ich. 

„Hast Recht, und Recht ham‘s." 

Fehlte nur noch, dass er „es kommt eh der Gaskrieg!" sagte. 

„Es kommt eh der Gaskrieg!", da war er, der Vergeltungsschlag. Unter die Eisenbahnwaggone, decken, Sirenen heulen. Bomben fallen. Granaten splittern. Kugeln peitschen pfeifend an die Stahlwand des Waggons. Darunter liegen fünf Frauen, mit ihren neun plärrenden Kindern, nur die Mädchen; die Burschen schauen mit weit offenen Augen auf die gegenüberliegenden Bretterwände, welche bei jedem Einschlag einer Gewehrsalve wie ein Windspiel aus Bambus die Melodie „Oh When The Saints" kurz erkennen lassen. 

„Ja, aber du hast doch nicht Recht!" wollte ich noch sagen, da klingelte mein Handy. Irmgard rief an, mit einem personalisierten Klingelton. „Isyankar" von „Yste" ertönt, ein türkisches Lied aus der türkischen Hitparade. 

Ich hielt mein Handy, das draußen im Vorraum lag in die Küche in Richtung Vater. 

„Da, ein türkischer Klingelton auf meinem Handy! Wo sind die Nazis?", wollte ich von Vater wissen. Ich ging ins Wohnzimmer, um zu telefonieren und hörte nur draußen in der Küche das Diskutieren von Vater. 

„Scheiß Ausländer!", seine Schlussworte. 

„Du Scheiß Nazi", hätte ich am Liebsten noch zurück geschrien! Wenn ich zu Hause laut rede, heißt es sowieso immer gleich „Schrei nicht so, Schreihals!"

 BRUTHAHN, 2010 UND JÄNNER 2011 


 ZWEITES TEXTBEISPIEL 

SCHADE, DASS SIE DAS ... N O C H ... NICHT ALS 
HÖRSPIEL ERLEBEN KÖNNEN!

 MEIN WUNSCH WAR IHR BEFEHL 
 MONTAG, 17. JANUAR 2011 

Neulich im Café wurde ich zwar schnell aber auch laut bedient. Mein Wunsch?

„Ich hätte gerne - wenn Sie haben - einen Kuchen mit Erdbeeren."

„Erdbeeren? Da schaut es schlecht aus!"

Was hier in fast doppelt so großer Schrift geschrieben steht, war nicht in der Lautstärke einer normalen Unterhaltung gesagt worden, es war schlicht geschrieen und in der Lautstärke eher logarithmisch in der 10-er Potenz verstärkt. Sie könnte einen Zug durch ihr Schreien zum Stehen bringen, wenn sie wollte. Alle anwesenden Gäste schauten zu mir. Früher wäre ich rot im Gesicht geworden, wie eine Erdbeere. Heute stört mich so etwas nicht mehr, aber ihre laute, kreischende Stimme störte nicht nur mich, sondern alle Gäste, die im Nichtraucherbereich  des Cafés saßen.

Sogar der Tisch am anderen Ende des Raumes hörte das. Da einige Tische nicht belegt waren, obwohl draußen vor der Türe der Parkplatz gerammelt voll war, und wenn noch zwei, drei Tische mehr leer gewesen wären, hätte es zudem sicher noch ein Echo gegeben.

Ihre Stimme war so laut und so durchdringend, dass sogar die Holzwürmer in den mit Intarsien verzierten Tischen erschraken und sich in ihren Fresslöchern verkrochen, so schnell sie konnten, weil sie glaubten eine Kreissäge würde angeworfen und ihr modernes, auf vier dorischen Säulen stehendes Hochhaus aus Apfel und Nussholz müsse dran glauben.

 Wobei dorisch(°°) gleich zwischen länglich und krumbacherisch kommt. 

Die Krähe auf der Kinderschaukel hinterm Haus fuhr zuerst zusammen, und flatterte dann aufgescheucht davon, mit verdrehtem Kopf. Ein Auge in Flug- und Fluchtrichtung, eines auf die Fenster des Cafés gerichtet, ob die Kreissäge ihr nicht auch folgen würde. Krähen hassen Kreissägen.

(°°)  Anmerkung für NICHT ortsansäßige Leserinnen: Doren, Langen und Krumbach sind Gemeinden im vorderen Bregenzerwald, der bis Bezau reicht und da saß ich in einem Café. In Doren gibt es eine [vermutlich nicht nur eine einzige] ausgezeichnete Schreinerei und es kann gut sein, dass diese Schreinerei die Tische des Cafés hergestellt hat, was ich jedoch nicht weiter recherchiert habe.

Nun musste ich feststellen, dass auch ich Kreissägen nicht mag, wenn sie unmittelbar neben meinem Ohr angeworfen werden und das Fichtenmoped neben meinen ungeschützten Armen und Beinen, ungeschützten Augen und vor allem ungeschützten Ohren ordentlich auf Betriebstemperatur gebracht wird, dass die Kette hier im Nichtraucherbereich zu rauchen beginnt. Ich hätte sie anzeigen können. Die richtige Arbeitskleidung tragen weder die Bedienung noch ich. Wahrscheinlich würde ich das auch anzeigen.

Mein Wunsch war öffentlich.

Nicht mehr persönlich und beinahe geheim, wie bei jeder anderen Bedienung und Bestellung.

Die gerade die Eingangstüre durchschreitenden vier Pensionisten, welche den nächsten Tisch in Besetzung nahmen, wussten sofort, dass es keine Erdbeertorte gab und die vier bestellten gleich einen Kuchen mit Früchten. Welche Früchte außer Erdbeeren sie denn hätten, wollte einer der beiden Herren an Tisch vier wissen, die zugleich auch für ihre Ehefrauen bestellten, weil die nur ihre Jacken auf die Bank legten und andeuteten, dass sie noch aufs WC müssten.

Tisch vier. Aha. Wenn der Tisch, Tisch vier ist, dann müsste meiner … ich zähle schnell durch ...

„Himbeerkuchen mit Topfen für Tisch zwölf ..."

… genau Tisch zwölf sein ...

„und vier Waldfrüchte-Kuchen für Tisch vier! Und drei Kaffee, zwei Cappuccino!"

Die Kuchentheke war jedoch um die Ecke. Die Gasträume waren überfüllt, Gäste setzten sich schon zu Fremden an die Tische, was landschaftsüblich war, und die Gäste und die Fremden neben den Gästen waren laut. Doch die Bedienung war lauter!

„Mein Gott, tut mir das Kreuz so weh", kreischte die Kreissäge vorne, um die Ecke, bei der Theke.

Die angesprochene Person war vermutlich die zweite Bedienung, die mehr rundlichere der beiden, die wahrscheinlich schneller gewesen wäre, wenn sie nicht gegangen, sondern gerollt wäre. Sie konnte man nicht verstehen, was sie auf das Klagen antwortete. Aber man konnte es sich vorstellen.

„Warum, fragst du noch? Ja weißt, die ga-a-a-nze Nacht waren der Bruno und ich wach. Die Kinder sind krank. Sie haben a Bauchgrippe. Haben die ga-a-a-nze Nacht ned g’schlafen. Nur g'schissen und gekotzt!"

Neun Kuchengabeln fielen aus den Händen der Gäste, wie ich so schnell ich konnte abgezählt habe. Teils mit, teils ohne abgestochene Kuchenstücke. Drei Frauen hielten sich die Hand vor den Mund. Ein Mann nahm schnell einen riesigen Zug aus seinem Bierglas und leerte es bis zum Boden. Ein Baby begann zu schreien. Die zwei Kinder vom Nachbartisch zitterten. Die Krähe von vorher, die von der Kinderschaukel wieder angezogen worden war, erschrak von neuem und kommt wohl in der kommenden Woche nicht so schnell wieder zu diesem Spielplatz, wenn das mit der Kreissäge so weitergeht, so wie die geschaut hat, mit dem einen Auge, das auf das Fenster vom Café gerichtet war. Die Federn im Nacken der Krähe, standen ab und wurden grau vor Schreck.

Vielfach wünscht man sich in einem Restaurant oder Café, dass die Bedienung auf Zack und auch NOCH schneller wäre. Doch LEISER, dass sie LEISER wäre, hatte ich mir bis jetzt noch nicht wünschen müssen.

Stell dir vor, die würde mich persönlich kennen und hätte mich gefragt:

„Wie geht’s deiner Gastritis und deinem eingewachsenen Zehennagel? Hab da beim Doktor was gehört. Geht dir deine Frau immer noch fremd oder bist du mittlerweile geschieden und bist wieder zu haben? Nur so zu dir: wenn meine Kinder so weiter scheißen und kotzen, lass ich mich auch noch scheiden - von den Kindern, ha, ha, ha!"

Der Tisch, an dem ich saß, fiele vor Schreck alleine auseinander. Die dabei an den Bruchstellen freigelegten Holzwürmer vibrierten von Kopf bis Fuß, als hätten sie unter Kleinbahn-Trafo-Strom gestanden und schauten, dass sie so schnell wie möglich zunächst unter die herumliegenden Intarsienteile kämen, um von da aus Eingangslöcher ins Holz zu suchen oder sie spähten auf die Holzeckbank, ob da Löcher für den Unterschlupf zu finden wären. Sie müssten sich nun ja um eine neue Bleibe kümmern.

Das Baby spuckte den Schnuller durch’s Café und er landete im halb vollen Bierglas. Das leere Weinglas daneben begänne mit dem Kreischen der Kreissäge mitzuschwingen und würde in hunderte feine Scherben zerbersten.

Mehrere Kuchengabeln würden sich verbiegen, weil das Metall zu glühen begänne. Die Kuchen auf den Tellern würden heiß wie in einer Mikrowelle und die zwei Pensionisten hätten sich dabei ihre Pappen verbrannt.

Die zwei Kinder vom Nebentisch begännen zu plärren und der Bub kotzte wahrscheinlich auf den Tisch. Neben mir fiele eine Frau in Ohnmacht und landete mit dem Gesicht im Waldfrüchtekuchen, der sich wohl schon unter den vielen Sonntagsspaziergängern im ganzen Dorf herumgesprochen hätte, heute der beste Kuchen im Café zu sein.

Doch das ganze Dorf wüsste nun auch, wie es mir ginge und wie es um mich stehe.

Und ich, ich wollte doch nur einen Kuchen mit Erdbeeren, weil es mir danach war.

Aber ich wollte doch nicht, dass sogar die vorbeifahrenden Deutschen Winterurlauber wissen, dass im „Schnatter" heute keine Erdbeertorten zu bekommen waren und dass einer eingewachsene Zehennägel hatte, oder auch nur einen, weil ihm die Frau fremd ging und dass dieser Typ sich von der Bedienung scheiden lassen wollte, weil die Gäste an Tisch vier auch einen Früchtekuchen mochten.

Doch es war nicht so genau zu verstehen - im rauschenden Fahrtwind des Audis – weil es wegen der hochfrequenten Schallwellen die Windschutzscheibe in Stücke gerissen hatte, als sie am Café vorbeifuhren. Irgendjemand hat wohl seine Kreissäge auf höchst möglichen Touren laufen lassen und sich für den Rest des Winters wohl noch Feuerholz zugesägt.

„Da, schaut, eine Krähe! Eine Krähe mit GRAUEN Federn am Kopf und aufgerissenen Augen, dass man das Weiß darin sehen kann! Meint ihr, die hat was?"

 BRUTHAHN, JÄNNER 2011